Ende der Anonymität: Internet nur noch mit echten Namen? | WALULIS


In Sachen Internet-Trolle die letzte Reißleine der Politik: Die Klarnamenpflicht. Also der Zwang, sich in Internetforen und Webseiten mit dem echten Namen anmelden zu müssen. Die Idee dahinter: Hat man seinen echten Namen hinter seiner Online-Präsenz, überlegt man sich den Hass zweimal. Ob das eine gute Idee ist, fragen wir uns im heutigen Video.

→ Wir sind Teil von funk! Mehr davon gibt’s unter:
►YouTube: https://youtube.com/funkofficial
►funk Web-App: https://go.funk.net
►Facebook: https://facebook.com/funk
►Impressum: https://go.funk.net/impressum

→ Mehr von WALULIS:
►WALULIS bei Facebook: http://walul.is/2lez2Xu
►WALULIS‘ Rechtschreibfehler auf Twitter korrigieren: http://walul.is/2vsqDFh
►Bunte Bilder aus der Redaktion auf Insta: http://walul.is/2qTVHMW

In Österreich kommt das Thema gerade wieder hoch. Die Grünen-Politikerin Sigrid Maurer veröffentlichte eine übergriffige Nachricht eines Craftbeer-Laden Besitzers an sie. Dieser bestritt das, jedoch löste dieser Vorfall in Österreich die erneute Diskussion der Klarnamenpflicht aus. Damit ist Österreich nicht allein.

Immer wenn die Themen Cybermobbing, Internet-Trolle und Hass in Kommentarspalten auftaucht, ist auch die Klarnamenpflicht nicht weit. Politiker fordern, man solle doch endlich sehen und verfolgen können, wer ihnen da den Tod auf den Hals wünscht. Erstmal klingt das nach einer guten Idee. Auch wir würden uns sicherlich ohne Pseudonym etwas zivilisierter im Netz unterhalten.

Aber dennoch gibt es einige Probleme. Die technische Umsetzung zum Beispiel. Denn wenn Webseiten Millionen sensibler Userdaten speichern müssen, ist das nur eine gute Idee, wenn sie diese Daten auch schützen können. Das kann schiefgehen: In Südkorea gab es bis 2012 eine Klarnamenpflicht, nachdem jedoch Daten von 35 Mio. Nutzern geleakt wurden, war es schnell wieder vorbei mit der Idee.

Ein weiterer Punkt: In Südkorea hat sich der Hass auch nicht wirklich gesenkt. Und auch andere Studien beweisen: Der Hass gerät mit Klarnamen vielleicht sogar noch weiter aus dem Ruder. Denn seltsamerweise fühlen sich die meisten Menschen sogar noch besser und berechtigter, mit ihrem eigenen Namen zu hassen und zu beleidigen.

Aber: Darum geht es gar nicht wirklich. Sondern darum, solche Leute zu belangen. Auch wenn der Level des Hasses bleiben würde, man kann ihn jetzt besser strafrechtlich verfolgen. Denn man hat ja die Namen, wenn auch nur hinterlegt. In Deutschland übrigens gibt es ein Recht auf ein Pseudonym. Dort müsste man die Daten nur für den Notfall tatsächlich hinterlegen. Aber auch das wäre ein Fortschritt.

Ein weiteres Argument gegen die Klarnamenpflicht: Es gibt Menschen, die die Anonymität wirklich benötigen. Und zwar nicht, damit sie undifferenziert Dunja Hayali ankacken können, sondern als Voraussetzung für das Benutzen des Internets. Opfer von Stalking-Attacken zum Beispiel können sich nicht mit echtem Namen überall zeigen. Der Stalker hätte viel zu viele Informationen. Oder Psychiater und Anwälte, die sich mit Pseudonymen im Internet gegen ehemalige Klienten oder Patienten schützen müssen. Eine Klarnamenpflicht würde diese Menschen entscheidend benachteiligen.

Deshalb ist hier eine definitive Meinung zu fällen, schwierig. Klar ist: Sigrid Maurer hätte auch eine Klarnamenpflicht nicht geholfen. Der Rechtsstreit mit dem Craftbeer- Vertreiber wäre genauso ausgegangen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.